Die Kreation der Rüthener Symbolfigur „Haarmännchen“
- ein gemeinschaftlicher Entstehungsprozess zwischen Wiederbelebung und Geburt!
1. Die Idee
Anlässlich einer Stadtführerzusammenkunft am 01. März 2007 stand der Vorschlag im Raum, für den bevorstehenden 27. Internationalen Hanstag in Lippstadt v. 10.-13.05.07 hinsichtlich der Beteiligung der Stadt Rüthen dem Publikum eine attraktive Besonderheit zu bieten.
Von Stadtarchivar Friedhelm Sommer kam die Anregung, die in der Rüthener Region volksliterarisch beheimatete Sagengestalt des „Haarmännchens“ als künftige repräsentative und werbewirksame Symbolfigur für den Bereich der Stadt Rüthen zu nutzen und einzusetzen.
Animiert durch diesen Gedanken meldete sich ein Teilnehmer der Sitzung spontan als erster Darsteller (s.u.) für einen öffentlichen Auftritt dieser Sagengestalt – zu Hause aber keimten bei ihm dann doch auch erste Zweifel: „Was für eine Aufgabe habe ich da überhaupt übernommen und wie soll ich sie gestalten?“
2. Die Konkretisierung
Einige Tage später, am 9. März, stand die Geburtstagsfeier von Ulrich Grun, dem langjährigen Leiter des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises im Kulturring Rüthen an.
Die anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises und Stadtführer griffen das Thema„Haarmännchen“ auf und machten erste konkrete Vorschläge für die äußerliche Gestaltung der Symbolfigur, wobei der Gastgeber dazu alte Zeichnungen und Niederschriften des verstorbenen Heimatforschers Eberhard Henneböle, der sich vor vielen Jahrzehnten mit den entsprechenden Sagen ausgiebig befasst hatte, beisteuern konnte. Ein Rohkonzept für das künftige Aussehen entstand, die Figur bekam konkrete Konturen.
Kurz darauf fand in der Stadtverwaltung ein weiteres „Fachgespräch“ statt, dessen Teilnehmer (Wirtschaftsförderer Georg Köller, Tourismus-Sachbearbeiter Heribert Schlüter, Stadtarchivar Friedhelm Sommer, Heimatvereinsvorsitzender Hermann Krämer und der„freiwillige Darsteller“) eine Leitlinie für Funktion, Aussehen und Auftreten vereinbarten:
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Als deutlich erkennbare Symbiose zwischen Vergangenheit und Gegenwart soll diese von der heimischen Volksliteratur tradierte Symbolfigur nachhaltig der werbewirksamen Identitätsstiftung für den Rüthener Raum, seine Landschaft, Bewohner und Kultur dienen.
3. Die Realisierung
Am 9. April erschien eine historisch kostümierte Delegation der Stadt Lippstadt in Rüthen, angeführt von der Lippstädter Symbolfigur „Graf Bernhard“, um die Stadt Rüthen und die Bürgerschaft zum bevorstehenden Hansetag (s.o.) offiziell einzuladen. In diesem Rahmen konnte man interessante und motivierende Eindrücke von der Wirkungskraft einer solchen Symbolfigur gewinnen, die den Entschluss bestärkten, das Haarmännchen nunmehr Wirklichkeit werden zu lassen und ihm via entsprechende Internetangebote sein prägnantes Äußeres in Form einer typisierenden Kleidung zu beschaffen:
Ein markanter dunkler Schlapphut, ein weiter Schulterumhang, eine Kniebundhose und ein schlichtes Leinenhemd mit Hanfkordel sollen künftig seine Erscheinungsform bestimmen.
Zur informativen Vorbereitung der Bevölkerung wurden Fotos und Erläuterungen in den örtlichen Presseorganen veröffentlicht und das Rüthener Maifest am 01.05.2007 als „Premierentermin“ angekündigt.
Dort hielt das „Haarmännchen“ eine gereimte Antrittsrede (s. Gedichte), in der es die Bürger aufrief, sich künftig gemeinsam verstärkt für die Belange und das Ansehen der Stadt Rüthen
einzusetzen. Der große Beifall wie auch die nachfolgenden Gespräche und Publikumskontakte unter dem Maibaum bestätigten die Richtigkeit und allgemeine Akzeptanz des Projekts.
Schon 5 Tage später, bei der sonntäglichen „Mai-live-Veranstaltung“ der örtlichen Werbegemeinschaft kam es zum nächsten Auftritt des „Haarmaännchens“ – wiederum mit durchweg positiver Bilanz.
Der Internationale Hansetag in Lippstadt stellte nun die erste auswärtige Bewährungsprobe dar. Der vom Tourismusexperten der Stadtverwaltung, Heribert Schlüter, konzipierte und organisierte Präsentationsstand der Stadt Rüthen wurde von den Stadtführern, den Vertretern des Heimatvereins, der Werbegemeinschaft und der Stadtverwaltung gemeinsam und umfassend an allen 3 Öffnungstagen betreut. Auch in diesem Rahmen erzielte die neue Rüthener Symbolfigur als städtischer Werbeträger bei Besuchern und Gästen ein viel beachtetes Echo:
Immer wieder wurde aus den Reihen der Interessenten um ein gemeinsames Foto mit dem „Haarmännchen“ gebeten, ein besonders publikumswirksamer Effekt des Rüthener Standes, der durch die Besuche und Einbeziehung anderer Symbolfiguren, wie z.B. die benachbarte Briloner „Waldfee“ und der schon erwähnte Lippstädter „Graf Bernhard“ in die Haarmännchen-Präsentation noch erkennbar erhöht wurde.Der künftige Bekanntheitsgrad der Rüthener Symbolfigur wurde zudem durch den feststellbaren Anklang bei seiner Teilnahme am abschließenden großen Umzug der Hansetag-Teilnehmer durch Lippstadt gefördert.
Die Premierenauftritte nach innen wie nach außen waren also allesamt gelungen – ein guter Anfang war gemacht!
Das „Haarmännchen“ soll aber grundsätzlich etwas besonders bleiben und nur zu speziellen Anlässen auftreten, die dem oben genannten Stiftungsidee bzw. Leitlinie gerecht werden, so
- vor allem bei Veranstaltungen und Terminen, die der Förderung des Tourismus
und der attraktiven Darstellung der Stadt nach außen für Gäste und Besucher dienen, so z.B. im Rahmen von Hanseaktivitäten, Stadtfesten und anderen offiziellen bzw. repräsentativen Gelegenheiten.
4. Der Darsteller
Zur Zeit wird die Haarmännchen-Figur von Theodor Fromme dargestellt. Der Kfz-Meister ist gebürtig aus Rüthen-Hoinkhausen, verheiratet mit einer „echten“ Rüthenerin und lebt seit 1978 in der Bergstadt. Sein Hobby ist das Segeln, nachdem er lange Jahre aktiver Motorsportler war. Seit 2004 ist er zudem in seiner Freizeit als ehrenamtlicher Stadtführer tätig, wobei im seine Kenntnisse als Hobbysegler vor allem bei den Erläuterungen und Demonstrationen in der „Alten Seilerei“ an der Stadtmauer von Nutzen sind. Der von ihm dort mit den Besuchern durchgeführte „Schnellkurs Seemannsknoten mit Rüthener Seilen“ sorgt immer wieder für unterhaltsame Erlebnisse und amüsante Eindrücke bei den Teilnehmern.